
Noch vor gar nicht allzu langer Zeit herrschte die Meinung, dass speziell ein hoher Cholesterinspiegel die Hauptursache für Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall sei.
Aus Angst vor dem schädlichen Cholesterin eroberten in Amerika Unmengen cholesterinfreier und fettreduzierter Nahrungsmittel die Supermärkte, und auch hierzulande ließen sich viele Menschen im wahrsten Sinne des Wortes „die Butter vom Brot nehmen“. Ein einheitlicher Grenzwert von 200 mg Cholesterin pro Deziliter Blut (mg/dl) verdarb so manch einem rundum Gesunden den Spaß am Essen.
Was ist denn nun wirklich dran an der "Cholesterin-Hysterie"?
Cholesterin ist, wie alle Fette, wasserunlöslich. Es braucht daher ein Transportmittel, um im Blut zirkulieren zu können. Dafür verbinden sich bestimmte Eiweiße (Proteine) mit dem Cholesterin zu sogenannten Lipoproteinen.
Diese Transportproteine setzen sich unterschiedlich zusammen. Je nach Fett-Eiweiß-Verhältnis gibt es Lipoproteine mit hoher Dichte (HDL = high density lipoproteins) und niedriger Dichte (LDL = low density lipoproteins). Diese beiden Gruppen rücken in der heutigen Cholesterindiskussion immer mehr in den Mittelpunkt.
Denn in Verbindung mit den anderen Risikofaktoren spielt nicht allein das Gesamtcholesterin eine Rolle. Durchaus tonangebend ist hingegen die Frage, wie sich die Blutfette in „gutes“ HDL-Cholesterin und „schlechtes“ LDL-Cholesterin aufteilen.
Das „schlechte“ LDL-Cholesterin arbeitet als Transporteur und bringt Cholesterin in die Körperzellen. Das ist noch gar nicht schlimm, schließlich braucht unser Körper diesen Stoff, um einwandfrei funktionieren zu können. Wenn allerdings zuviel im Blut kursiert, lagert sich der Überschuss in den Gefäßwänden ab und es kommt über kurz oder lang zur Arterienverkalkung. Der LDL-Wert sollte daher möglichst niedrig liegen.
Das „gute“ HDL-Cholesterin hingegen nimmt überschüssiges Cholesterin aus dem Körper auf und bringt es zur Leber zurück, die es abbaut. HDL-Cholesterin kann sogar abgelagertes LDL-Cholesterin aus den Gefäßwänden herauslösen und entsorgen. Daher gilt: je mehr davon, desto besser. Sehr gute Werte ab 60 mg/dl können sogar einen anderen Risikofaktor wettmachen.